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Eine
Frégate segelt nach Paris |
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Ich
besitze seit einiger Zeit einen Renault Frégate Domaine aus dem
Jahr 1956, der die anstehende MFK nicht bestanden hätte. Im Herbst
1995 entschied ich mich, meinen Renault zu restaurieren. Ich begann,
das Auto auseinander zu nehmen. Die Carrosserie und alle Blechteile
habe ich in einem spezialisierten Werk ablaugen lassen. Im Frühjahr
1996 wurden diese Teile grundiert, wo nötig neue Blechteile
eingesetzt und danach vorlackiert.
Nun begann die mühsame Kleinarbeit, alle mechanischen Teile zu
reinigen, zu katalogisieren, sämtliche Schrauben zu entrosten, neu
verzinken zu lassen oder zu ersetzen. Es waren auch viele Neuteile nötig.
Nur das Ersatzteilangebot für einen Renault Frégate ist sowohl in
der Schweiz als auch in Frankreich nicht sehr üppig. Das hiess also
selber anfertigen, z.B. Achsschenkelbolzen, div. Bolzen der Lenkung,
oder alle Büchsen der Vorder- und Hinterachse. Auch im Innenraum
war Neues angesagt. Viele Stunden verbrachte ich in meiner
Werkstatt. Das Ziel dieser Restauration war es, mit diesem Renault
Domaine nach Paris an die 100-Jahr Feier von Renault zu fahren. |
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Anfang
April las ich mit Schrecken in der französischen Oldtimer-Zeitung
"La Vie de L'Auto", dass der CAR (Club des Amateurs
d'anciennes Renault) vom 8. - 10. Mai 1998 in den alten Hallen der
Renaultwerke in Billancourt das 100-Jahr Jubiläum feiern würde.
Ich war der Meinung, dieses Fest finde im Spätsommer oder Herbst
1998 statt.
Was tun? Der Sattler hat mir den Himmel auf Mitte Mai versprochen,
und die Sitze sollten im Laufe des Sommers erneuert werden. Das
Fahrzeug war noch nicht vorgeführt, die neuen Pneus noch nicht
geliefert worden... usw., usw. Trotz all dieser kleinen Probleme im
Verlauf einer kompletten Restauration habe ich mich ohne zu zögern,
sofort mit dem Renaultclub Paris in Verbindung gesetzt und meine
Teilnahme bekannt gegeben. Daten und Fotos meines Domaines waren
rasch geschickt und zwei Tage vor Abfahrt erhielt ich per Post die
Startnummer 793. Doch was war in der Zwischenzeit geschehen? Ja, ich
kann Euch beruhigen, bis auf die Sitze wurde das Fahrzeug
fertiggestellt. Viele Freunde und meine Familie haben mir mit
zahlreichen Handreichungen geholfen.
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Aber
eben weil mein Domaine eben erst fertig zusammengesetzt war, und
noch nicht viele Kilometer zurückgelegt hatte, also die
Kinderkrankheiten noch nicht zum Vorschein gekommen waren, wagte ich
nicht, die Reise nach Paris unter die eigenen Räder zu nehmen. Ich
fragte meinen Vater, ob er mir freundlicherweise seinen Jeep leihe
oder mich begleiten möchte (damit war auch gleich ein Sponsor für
die feinen Restaurants im "Quartier Latin" gefunden) und
zudem lud ich meinen Freund und Oldtimergaragisten (er konnte den Hänger
organisieren) ein.
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Am
Donnerstag, 7. Mai, luden wir den Renault Domaine auf den Hänger
und erreichten dank der Autobahn am frühen Abend bereits Paris.
Ausserhalb und doch noch in der Riesenstadt fanden wir ein
heimeliges Hotel. Der Geschäftsführer stellte uns für den Oldie
sofort seine Garage zur Verfügung. Es sei zwar eine ruhige Gegend,
aber man wisse ja nie, waren seine Worte. Vor dem Abendessen
rekognoszierten wir die Renaultwerke und die Strassen rund um
Billancourt. Ein bisschen beunruhigt, mein schönes Auto in diesem
Riesenverkehr bewegen zu müssen, schlief ich ein.
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Am
nächsten Morgen, Freitag 8. Mai, strahlender Sonnenschein, aber
auch schon der erste Stress. Der Domaine war von der Fahrt schmutzig
und fettig, er sollte unbedingt gewaschen werden, doch das Hotel
hatte weder einen Wasserhahn noch einen Schlauch! Wo war die nächste
Waschanlage? Der freundliche Tankwart nebenan kannte nur seine
eigene Waschstrasse, doch sein Angestellter erklärte uns den Weg zu
einer Selbstwaschanlage mit Schlauch, allerdings 2 Dörfer weiter südlich.
Wir fanden die Waschgelegenheit, die Zeit war knapp. Rasch
abspritzen und abledern. Danach galt es wieder, das Hotel zu finden,
bei dem Verkehr und den vielen Einbahnstrassen keine leichte
Aufgabe. Zum Glück spreche ich Französisch und wir fanden den
Ausgangsort wieder. Schnell umziehen und ab die Post nach
Billancourt. Von weitem strahlten die mächtigen Gebäude der alten
Renaultwerke in der Sonne. Davor ein Stau ....... 1Renault NN,
einige Dauphine, ein Trupp R8 Gordini und andere Renault wollten zur
Geburtsstätte zurück.
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Der
Platz, wo die Nachkriegs-Renault aufgestellt wurden, ist riesig und
schon halb voll. Es waren alle Nationen vertreten, sogar ein R11
Cabriolet war aus Kanada angereist. Ich stellte meinen Domaine
zwischen einem Renault Heck aus Korsika und einem aus Spanien ab.
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Ja, auch ein Renault Frégate, Sondercarrosserie, Einzelexemplar aus
Spanien
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Zu
Fuss, an den vielen schönen Renault vorbei, lief ich zurück zur
Anmeldung, um die Ausstellungspapiere abzuholen. Dort erfuhr ich
auch, dass ich mich mit meinem Renault um 15.00 Uhr für den
Concours d'Élégance bereit stellen muss. Ich war sehr aufgeregt
und fühlte mich geschmeichelt.
Von den rund 800
Nachkriegsfahrzeugen wurden vom Organisator 20 Renaults für eine
Bewertung ausgewählt. Also rein in die Klamotten der 50er Jahre und
warten, denn ein erster Höhepunkt war angesagt.
Unter grossem
Applaus fuhr ein Trupp ganz alter Renault aus England auf das Gelände
. Die rund 40 Vorkriegsrenault waren die Strecke London - Paris in
nur zwei Tagen durchgefahren. Trotz des Strassenstaubs leuchtete das
viele Messing der NN und der NY in der Sonne.
Während der Aufstellung zum Concours d'Élégance wollte uns die
Police aus dem Verkehr ziehen, wurde Silvio doch für einen
Mafiaboss gehalten ..... doch klärende Worte auf Schweizerdeutsch
und eine Tafel Schokolade retteten uns.

Danach waren wir die Attraktion, der Concours begann. Natürlich
spuckte genau in diesem Moment das Zündschloss. Nichts anmerken
lassen und weiter am Schlüssel drehen, langsam aber sicher wurde
mein Hemd nass. Endlich nach dem x-ten Versuch, der Strom floss und
mein Domaine sprang freudig an.
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Vorbei
an zighundert Oldtimerkollegen, deren Familien und vielen
Mitarbeitern der Renaultwerke fuhren wir eine Ehrenrunde im
Renaultgelände und danach vor die Jury. Dort erzählte ich meine
Restaurationsgeschichte und Anekdoten zum Fahrzeug. Unter grossem
Applaus und vielen anerkennenden Zurufen kehrten wir durch die
riesige Menschenmenge zurück zum Ausgangspunkt. Es war ergreifend.
Bei der anschliessenden Siegerehrung hat es, trotz aller
Anstrengung, nicht für einen Platz auf dem Treppchen gereicht.
Immerhin war mein Domaine mit dabei. Den erfolgreichen Tag feierten
wir bei gutem Essen und Wein in einem kleinen Restaurant.
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Am
Samstag war der Ausflug ins neue Technocenter von Renault und das
Schloss Versailles auf dem Programm. Das Wetter machte mit und
bescherte uns mit viel Sonne und Wärme. Die Ausfahrt war freiwillig
aber ziemlich alle Renault nahmen daran teil. Vermutlich dachten
meine Kollegen wie ich auch, dass der Fahrtwind uns ein wenig Abkühlung
verschaffen würde. Im Schlosspark von Versailles wurden die
Fahrzeuge in einer schattigen Allee parkiert und wir genossen ein
Picknick am Wasser. Die vielen Vorkriegswagen der Marke Renault
waren ebenfalls dabei und standen im Mittelpunkt. Obwohl die ganze
Veranstaltung eigentlich nicht öffentlich war, hatten zahlreiche
Touristen und auch die Bevölkerung von Paris erstmals Gelegenheit,
unsere Fahrzeuge zu bewundern.
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Am
frühen Nachmittag fuhren wir zurück nach Billancourt. Ich
nutzte die Gelegenheit um mein Domaine vor der alten Fabrik zu
fotografieren.
Um 16.00 Uhr
fand der Concours d'Élégance der Vorkriegsfahrzeuge statt. Heute
waren wir an der Reihe, Anerkennung und Applaus zu spenden. Rund 30
Fahrzeuge von 1905 - 1949 wurden präsentiert. Die Fahrer und
Beifahrer passten mit ihren schönen Kleidern bestens zu ihren alten
Renault. Man fühlte sich in die gute alte Zeit zurück versetzt.
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Viel Applaus erhielt die Gruppe der bereits erwähnten englischen
Renaultenthusiasten, welche die Strecke London - Paris gefahren war.


Ihr Pannenfahrzeug war übrigens ein moderner Renault Espace des
britischen Automobilclubs RAC.
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Am
Abend ging in einer der Hallen die grosse Gala über die Bühne. Wir
zogen es jedoch vor, die
Stadt unsicher zu machen. Deshalb kam der Sonntagmorgen auch viel zu
schnell. Ein weiterer Höhepunkt stand auf dem Programm: Die Parade
aller Fahrzeuge auf der Champs-Elysées. Der grosse Boulevard war
beflaggt und zahlreiche Zuschauer säumten
den Strassenrand. Wir fuhren im Schritttempo, da und dort
vernahmen wir Zurufe von Schweizern oder einzelnen Franzosen, wie
z.B.; "Ah Schaffhouse. Je connais, les chutes du Rhin"! Es
war unbeschreiblich, das Gefühl dieser Parade muss man erlebt
haben. Danach ging es zur Rennbahn von Saint-Cloud. Dort fand, immer
noch bei strahlendem Sonnenschein, das gemeinsame Picknick und die
Verabschiedung der Teilnehmer statt.
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Aufstellung der teilnehmenden Renault
Frégate und Domaine.
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Am
späten Nachmittag luden wir den Domaine wieder auf den Anhänger
und fuhren klimatisiert nach Schaffhausen zurück. Dort wurden
insgesamt 8 Filme zum Entwickeln gebracht und die vielen Eindrücke
verarbeitet.
Die rund 1000 Stunden in der Werkstatt, die vielen Schrammen und
Entbehrungen hatten sich gelohnt. Ich habe mit meinem Vater, meinem
Freund und meinem Renault herrliche Tage in Paris verbracht.
Mein nächstes Ziel ist es nun, mit einem restaurierten
Vorkriegsrenault an der 125 Jahr Feier dabei zu sein! Aber bitte,
sagt es nicht meiner Frau weiter.
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